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Angedacht  

 

  Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes

über einen Sünder, der Buße tut.

 

Schon morgens, bevor er zur Arbeit gegangen war, hatte sie so etwas gesagt, was er „in den falschen Hals“ bekommen hatte. Den ganzen Tag über hatte er sich darüber geärgert. Als er nachmittags nach Hause kam, brauchte es nur eine Kleinigkeit und er war auf 180. Der Streit wurde aggressiv und unfair. Manchmal ist es am besten, dann einfach eine Tür zwischen sich zuzumachen. Erst spät am Abend kam er zu sich. Er pflückte einen kleinen Strauß Wiesenblumen, ging damit zu ihr und sagte: „Verzeih mir …“

Der Monatsspruch redet vom Sünder und von Buße. Zwei große, alte Wörter. Oder sollte ich sagen: Veraltete Wörter? Davon will doch heute niemand mehr etwas wissen. So redet nur noch Kirche.

Dabei steckt darin das pralle Leben! Zur Vorbereitung des Reformationsfestes habe ich mich gerade etwas mit der mittelalterlichen Beicht- und Ablass-Lehre befasst. Und da liest man zunächst sehr theoretisch: Die Buße besteht aus Reue,

Beichte und Genugtuung. Naja, so war das halt im Mittelalter.

Nein, so ist es bis heute! Kein Streit kann beigelegt werden, wenn nicht eine(r) als erstes die Hand ausstreckt und sagt:  Es tut mir leid. Wenn nicht wenigstens die eine Seite bereut und das der anderen auch sagt. Versöhnung kann schließlich nur geschehen, wenn beide aufeinander zugehen. Aber den ersten Anstoß gibt die Reue. Und so schwer es ist, diese Reue dann auch in Worte zu fassen, so befreiend kann es sein. Und nicht selten sagt dann einer: Danke, dass du den ersten Schritt machst – ich habe mich nicht getraut.

Und die „Genugtuung“, die zur Buße gehört? In vielen Fällen wird das bedeuten, dass man sagt: Wir wollen uns bemühen, es in Zukunft anders zu machen. Wir wollen es wenigstens versuchen. Es ist der Wille, der Einsicht Taten folgen zu lassen.

Ich denke, „Buße“ ist etwas hochaktuelles, was wir und unsere Gesellschaft bitter nötig haben, erfordert sie doch die selbstkritische Prüfung auf eigene Fehler hin. Und dann einen beherzten Schritt in eine neue Richtung – deshalb redet die Bibel auch von „Umkehr“. Und dabei kann ein kleiner Strauß Wiesenblumen schon mal eine große Hilfe sein.

 

Ich grüße Sie herzlich,

Ihr Pfarrer Freimut Lüdeking