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Angedacht 

 

 "Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – was sind das für wunderbare Worte!

Ich lasse meine Gedanken schweifen und erinnere mich: Wie mich mein Freund angesehen hat, als ich zum ersten Mal

verliebt war. Wie mich mein eigenes Baby das erste Mal angesehen hat. Wie mich erst vor kurzem eine Witwe mit ihren traurigen, tiefgründigen Augen angesehen hat. Wie mich in der letzten Zeit ganz unterschiedliche „Weihnachtsmenschen“ angesehen haben …

„Du siehst mich.“ Was für ein wunderbares Erlebnis, wenn einem das passiert, dass man aufrichtig, ganz klar und echt

angesehen wird.

Einer jungen Frau ist das passiert in einer Situation, in der einem wohl zum Heulen zumute sein muss. Hagar war nur eine Magd, gedemütigt von ihrer Herrin Sarai so sehr, dass sie schließlich in die Wüste floh.

Dort hockt sie an einer Wasserquelle und grübelt. Sicherlich war sie zu weit gegangen, zu stolz gewesen. Sie war sofort

schwanger geworden, als sie dem Abram, Sarais Mann, ein Kind schenken sollte, während Sarai lange Jahre kein Kind gebären konnte. Da hatte sie ihrer Herrin mal was voraus – und hatte sich über sie gestellt. Nun hockt sie also da, fortgejagt und verbannt in die Wüste und hat Angst. Wo soll sie hin? Ein Zurück gibt es für sie nicht.

Und da nun, in dieser Einöde und Leere, da findet sie Gottes Bote, der Engel des HERRN. Er sucht sie, die gedemütigte Hagar

auf, er sieht sie an, spricht sie an und verheißt ihr Wunderbares: Einen Sohn soll sie gebären, der unzählige Nachkommen haben wird – ein großes Volk! Hagar hat eine Zukunft! Und das wird eine Zukunft sein unter Gottes liebevollem Blick. Welch wunderbares Himmelserlebnis für eine gedemütigte Magd, wie Hagar eine war.

„Du siehst – auch mich!“ Uns, die wir hier in und um Moritzburg leben. Du, Gott, siehst auch meine Not, meine Trauer, meine Probleme. Du siehst mich – das erhebt und erfreut mein Herz!

Das gibt mir Kraft und Mut für dieses neue Jahr. Denn wo ich aufrecht, klar und echt angesehen werde, da fasse ich Vertrauen

und auch Zutrauen. Da wage ich neue Schritte. Ich freue mich auf jede Begegnung, die mir lächelnd, aufmunternd und wertschätzend sagt: „Du siehst mich!“

Pfarrerin Maren Lüdeking