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Angedacht

 

 

Nein, ich will gar nicht anfangen, von guten Vorsätzen zu reden. Der sicherste Weg, an einer Aufgabe zu scheitern, ist

ja schließlich der, einen guten Vorsatz daraus zu machen. Das ist eine harte Lehre, durch die Menschen immer wieder gehen

müssen: Es scheint so klar, steht so deutlich vor Augen, ist zum Greifen nah und dabei so einfach – und ist doch zum Scheitern verurteilt.

Wer braucht schon Zigaretten?! Im neuen Jahr nie wieder! Oder Schokolade. Oder... Das neue Jahr winkt verlockend und flüstert: „Hey, alles wird neu. Auch du! Genau jetzt wirst du ein neuer Mensch!“ Und wie lang hält’s? Dabei nehmen sich Menschen ja auch ganz andere Sachen vor,  nämlich die eigentlich Schwierigen: Dass sie in Zukunft anders miteinander umgehen wollen. Genauer Zuhören, nicht so schnell ausrasten, mehr Zeit füreinander haben...

Die Sache mit den Vorsätzen zeigt mir deutlich, wie weit Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander gehen.

Es sitzt ja noch viel tiefer: Wir Menschen haben das Bedürfnis, unser Leben im Einklang mit unseren Überzeugungen zu führen. Das, wofür wir stehen, soll für uns maßgeblich sein. Wir wollen uns nicht verbiegen müssen. Aber immer wieder stellen wir  fest, dass es nicht so einfach ist. Die Äußeren Gegebenheiten, die Strukturen und "Zwänge", in denen wir stecken, stehen dagegen. Wir können nicht so, wie es eigentlich "richtig" wäre. 

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" mit diesem Verzweiflungsschrei spricht der Vater des kranken Jungen im Markusevangelium uns aus der Seele. Er ist zerrissen, wie so viele - und wendet sich damit an Jesus, von dem er sich Linderung erhofft.

In diesem - eigentlich paradoxen - Ausruf liegt für mich die ganze Zerrissenheit unserer Welt, jedes "Ja, aber..." unseres Lebens. Dieser Aufschrei steht aber nicht jammernd, allein und hoffnungslos im luftleeren Raum, sondern er wendet sich an Gott, er wirft uns zurück auf den, von dem wir Orientierung, Glauben, Heilung erhoffen können. Ich glaube, es ist gut, wenn wir unsere inneren Risse und Brüche mit diesem Gott teilen. Der Monatsspruch für den Januar macht uns dazu Mut, wenn er sagt: "Gott ist treu".

 

Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Start ins neue Jahr - und freue mich auf viele Begegnungen!

Ihr/Euer Pfarrer Freimut Lüdeking