Aktuelles



 

 

Angedacht

 

Liebe Leserinnen und Leser, ich war immer schon gern im Norden Deutschlands, in Küstennähe sind die Menschen so erfrischend. Und Bahnfahren habe ich immer schon geliebt – dabei hat man die schönsten Erlebnisse. Nun war es mal wieder

so weit, Zeit für beides: Mein ganz alter Jugendfreund hatte nach dem Theologie- Studium zunächst einen anderen Weg

eingeschlagen, aber jetzt auf seine alten Tage noch das Vikariat gemacht. Zu seiner Ordination zum Pastor der Nordkirche fuhr ich nach Rendsburg.

Beim Umsteigen in Hamburg nahm mir eine junge Frau beim Aussteigen die Reisetasche entgegen. (Oh, sehe ich schon so hilfsbedürftig aus?) In Kiel sah ich, wie ein Mann im Anzug sich in die schließende Zugtür warf, um sie für eine verspätet heran

laufende Frau aufzuhalten. Auf der Rückfahrt kam ein junger Mann einer Mutter zur Hilfe und trug ihr den Kinderwagen die

Treppe hinunter. Und im Regionalexpress bekam ich mit, wie ein Jugendlicher mit Kapuzenshirt und Skateboard einem Herrn

mit Rollator seine Hilfe anbot.

Wie bitte, alles nichts Großartiges? Eigentlich selbstverständlich? Na klar, eigentlich schon, aber trotzdem hat es mich glücklich gemacht. So etwas kann man eben beim Bahnfahren erleben: Wie Menschen, die gleichermaßen auf dem Weg sind, offene

Augen füreinander haben. Manchmal bedarf es nämlich nur ganz kleiner Gesten.

Der Monatsspruch für den Juli gebraucht große Worte: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!“ Gerechtigkeit ist nach der Bibel eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes aber auch eins seiner großen Ziele für diese Welt. Ja, wahrhaftig ein großes Wort. Und heute ist die Frage nach Gerechtigkeit in Gesellschaft und Politik eine der vordringlichsten und weltweit eng verwoben mit den Bemühungen um Frieden. Manchmal bedarf es nur kleiner Gesten. Und das Größte beginnt im ganz Kleinen. Wir werden die Welt nie gerecht machen können. Aber wir können „Gerechtigkeit säen“. Die

Welt für einen kleinen Moment etwas lebenswerter machen. Ich glaube, dass meine kleinen Erlebnisse solche Saatkörner waren.

Bemerkenswert in unserem Monatsspruch ist aber, dass der Prophet Hosea nicht schreibt: Säet Gerechtigkeit, damit ihr

Gerechtigkeit ernten könnt, sondern: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!“ Nein, wir werden die Welt nicht “gerecht machen“ können. Aber säen und pflügen und darauf hoffen, dass Gott eines Tages „Gerechtigkeit über uns regnen lässt“, das können wir. Mit offenen Augen unseren Mitmenschen begegnen, mit denen wir gemeinsam „auf dem Weg“ sind.

Ich grüße Sie und Euch herzlich und wünsche eine fröhliche, erholsame und inspirierende Ferienzeit!!

 

Ihr / Euer Pfarrer Freimut Lüdeking