Zu Ostern

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Kirchenjahr: Die Osterzeit

 

„Warum lässt du das mit dir machen?“, fragte ich den Strauch. Nein, ich dachte mir nichts dabei, dass ich mit einem Forsythienstrauch sprach. Schließlich hatte er mich angesprochen. „Schönes Wetter heute“, hatte er beiläufig gesagt. Und ich war drauf eingestiegen, ein wenig Smalltalk kann ja nicht schaden. Er freute sich, dass die Sonnentage endlich länger werden, der Frost vorbei ist.

Und dann waren wir auf die vielen Eier zu sprechen gekommen, die an seinen Zweigen hingen. „Die Leute können’s einfach nicht abwarten!“, echauffierte er sich. „Kaum ist Fasching durch, behängen die mich über und über mit Eiern. Dabei sind die doch erst zu Ostern dran!“.

Nun sind Forsythien ja nicht gerade für ihre unendliche Geduld bekannt – sind sie doch die Sträucher, die ihre Blüten als erstes nicht mehr zurückhalten können. Aber ich muss zugeben, hiermit rannte er bei mir offene Türen ein. Auch ich bin einer, dem es wichtig ist, alles zu seiner Zeit zu leben: Vor Ostern ist die Fastenzeit und erst ab dem Osterfest gibt es bunte Eier.

Aber warum überhaupt? Was soll das mit den Eiern? Irgendwas muss doch dahinter stecken! „Na gut“, sagte ich zu meinem

bunt behängten Freund, „ich will Dir davon erzählen, was es damit auf sich hat. Aber da muss ich etwas weiter vorne anfangen.

Beim Osterfest geht es ja um Jesus Christus, deshalb fange ich auch mit ihm an.“

 

Die Fastenzeit

 

Jesus von Nazaret war ja mit seinen Anhängern als Wanderprediger unterwegs, ohne festen Wohnsitz zogen sie so um das Jahr 30 n. Chr. durch die römische Provinz Galiläa (im Norden des heutigen Israel). Jesus predigte von der Liebe Gottes zu den Menschen und von „Gottes Reich“, das sich unter den Menschen ausbreitet. Viele Leute setzten ihre Hoffnung auf ihn. Und wie um diese Hoffnung untermauern zu wollen, gab Jesus ihnen Zeichen, Hoffnungszeichen: Es wird erzählt, wie er Menschen von ihren Krankheiten heilte, sogar vom Tod auferweckte. Und er lehrte sie einen wirklich menschlichen Umgang miteinander. Ist alles in der Bibel nachzulesen, sehr empfehlenswert!

Aber Jesus hatte nicht nur Freunde, er brachte auch mächtige Leute gegen sich auf. Die letzte Zeit seines Lebens war überschattet von diesen Konflikten – und von der Bedrohung: Jesus wusste, dass ihm einige nach dem Leben trachteten. Trotzdem begab er sich in die Höhle des Löwen: Als frommer Jude wallfahrtete er zum Pessach-Fest nach Jerusalem. Dort wurde er gefangen genommen und als Aufrührer und Gotteslästerer hingerichtet.

Nun war dieser Jesus Christus aber nicht irgendwer, sondern er ist bis heute für uns Christenmenschen der Lichtschein Gottes in die Welt: „Menschgewordener Gott“ nennen wir ihn, „Sohn Gottes“, „Retter“, „Bruder“…

Und so haben Christen schon sehr früh die Zeit vor Ostern, die Leidenszeit Jesu durch Fasten begangen. Denn seine „Passion“

beinhaltete so vieles, worunter auch heute Menschen leiden: Enttäuschung, Trennung, Todesangst, Gefangenschaft, Spott, Folter, Gottverlassenheit, qualvollen Tod. Und so sagen bis heute viele Christenmenschen: In dieser Zeit will ich es mir mal nicht so gut gehen lassen wie sonst, will ich mein prall gefülltes Leben mal etwas zurückfahren. Und vielleicht entsteht dadurch ja auch etwas Freiraum – für die Begegnung mit Gott und mir selber.

„Puh“, sagte mein bunter Forsythienstrauch, „und warum werde ich jetzt also mit Eiern behängt?“

 

Die Ostereier

 

Oh, vergaß ich das zu erwähnen? Da muss ich doch nochmal von Jesus Christus erzählen. Denn was ihn tatsächlich ganz aus der Geschichte der Menschheit heraushebt, ist seine Auferstehung!

Als das letzte Hoffnungszeichen, das er uns hinterlassen hat, ist dieses das stärkste: Gottes Bekenntnis zum Leben. Aus dem verschlossenen Felsengrab heraus, gegen jede menschliche Vernunft – neues Leben!

So sehr seine Auferstehung für uns ein Wunder bleibt, das wir nicht begreifen können, so sehr prägt sie doch unser Leben: Der Tod – der große Tod und alle kleinen Tode – hat nicht das letzte Wort. All diese Tode stehen im Zeichen des Lebens. Gott ist also nicht nur der Schöpfer sondern auch der Bewahrer des Lebens!

Das Ei wurde schon früh zum Symbol für neues Leben, das aus einer toten Hülle schlüpft – wie damals aus dem verschlossenen Felsengrab. Bald erzählte man sich die Legende von Katharina, einer Frau in Alexandria, die dem römischen Kaiser Maxentius das Mysterium der Auferstehung an einem Entenei zeigte, aus dem sich vor seinen Augen neues Leben herausschälte. Das soll den Kaiser sehr nachdenklich gemacht haben.

Dass es nun zu Ostern so viele Eier gibt, hat aber vielleicht einen ganz praktischen Grund: Schon seit dem 7. Jahrhundert aß

man in der Fastenzeit nicht nur kein Fleisch, sondern auch keine Eier. Aber das mach mal einer den Hühnern klar! Die legten natürlich fleißig weiter – und so sammelten sich in der Fastenzeit ganz schön viele Eier an. Die hob man also auf und begann damals schon damit, sie zu färben, um die älteren von den frischeren unterscheiden zu können. Und mal ehrlich: Die vielen bunten Farben sind doch etwas richtig Schönes in der sonst noch recht farblosen Zeit.

„Also“, sagte mein Freund, „wenn ich das nun richtig verstehe, ist die Zeit der Eier tatsächlich erst ab Ostern, oder?“

 

40 Tage?

 

Klar, das ist schon ziemlich blöd, dass die Schoko-Ostereier bereits kurz nach Weihnachten in den Geschäften liegen und zum

Osterfest, wenn sie eigentlich dran wären, beinahe alle sind. Das Warten fällt vielen Menschen heute einfach sehr schwer. Dabei ist in der Osterzeit genauso viel Zeit zum Ostereier-Essen wie in der Fastenzeit zum Darauf-Verzichten, nämlich vierzig Tage.

Die 40 ist schon in der Bibel eine wichtige Zahl. Deshalb sind es von Aschermittwoch bis Karsamstag genau vierzig Tage. Das kannst du ja mal nachrechnen – aber die Sonntage darfst du nicht mitzählen, denn die sind immer schon, das ganze Jahr hindurch, „kleine Ostern“ (allerdings ohne Eier!).

Die vierzig Tage nach Ostern dauern bis Christi Himmelfahrt. Kannst Du auch nachrechnen. Dann wird in der Bibel erzählt, wie der auferstandene Jesus Christus (der bis dahin seinen Jüngern immer nochmal begegnet war) zurück zu Gott geholt wurde. „Himmelfahrt“ eben. Diesen Tag feiern Christen schon seit Urzeiten unter freiem Himmel. (Erst Ende des 19. Jahrhunderts verselbständigten sich damit verbundene Bräuche zum „Vatertag“.) Übrigens gibt es sogar ein besonderes Wort für eine vierzigtägige Zeitspanne: Die ursprünglich vierzig Tage währende Isolation von Kranken benannte man nach dem französischen Wort für 40 (quarante) „Quarantäne“! „So“, sagte mein freundlicher, bunt behängter und nun auch noch von der Sonne beschienener Forsythienstrauch, „und jetzt erzähl mir noch was Schönes.“

Gern, aber lieber lasse ich jetzt noch Barbara und Friederike erzählen.

Denn bevor die Osterzeit dann mit dem Pfingstfest wirklich ihren Abschluss findet, kommen noch die drei Sonntage mit den

lustigen Namen „Jubilate“, „Kantate“ und „Rogate“. Das sind die lateinischen Wörter für drei ganz wichtige Lebensäußerungen von Christenmenschen: „Jubelt, singt, betet!“ Das alles macht das Christsein so schön. „Okay“, sagte mein Freund, „dann nimm

dir wenigstens noch ein paar Zweige von mir mit – Osterstrauch für die Vase!“ Und grinste fröhlich.

Freimut Lüdeking

 

Der Sonntag „Kantate“

Der Sonntag Kantate ist der Sonntag für die Kirchenchöre. Der Spruch über dem Sonntag steht in Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. So haben in jedem Jahr unsere beiden Kirchenchöre gemeinsam eine Kantate mit verschiedenen Instrumenten gesungen und den Gottesdienst festlich ausgestaltet. Leider ist dieses Jahr nun alles ganz anders. Wir wissen noch nicht, ob wir uns zum Gottesdienst treffen dürfen, um zu singen und zu musizieren. Trotzdem

wollen wir alle Gott loben, wo auch immer wir sind, weil wir so Dankbarkeit und Lebensfreude „mit Herzen, Mund und Händen“ zum Ausdruck bringen können. Glücklicherweise können wir über Fernsehen und Internet an vielfältigen Gottesdienstangeboten teilhaben. Dazu möchte ich Sie alle ermuntern. Folgender Text beschreibt für mich sehr schön

Sinn und Zweck des Kantate-Sonntags:

„Evangelische Frömmigkeit wäre nicht denkbar ohne sie. Um Musik und Gesang drehen sich die biblischen Lesungen am

Sonntag Kantate (Singt!): Der erleichterte Dank der Geretteten, das mächtige Loblied der Geschöpfe Gottes, das besänftigende Harfenspiel und der mutige Gesang, der Kerkermauern sprengt – sie alle vereinen sich zu einem vielstimmigen Lob Gottes. Dort, wo sein Name so besungen wird, dort ist Gott ganz nah. Kein Bereich des Lebens soll von diesem Lob ausgeschlossen sein, keiner ist zu gering für diese Musik. Je mehr unser Leben zum Gesang wird, desto stärker wird uns dieses Lied verändern zu liebevolleren und dankbaren Menschen.“ (Zitat aus www.kirchenjahr-evangelisch.de)

In diesem Sinne grüßt Sie ganz herzlich

Barbara Albani

Pfingsten 2020

 

„Jetzt kann es doch endlich auch mal wieder vorbei sein. Ich will wieder auf den Sportplatz gehen und mit meinen Freunden Fußball spielen.“ Tim nimmt den Softball und schlägt ihn voller Wut an seine Zimmertüre. Auch Laura ist sauer. Sie liegt in ihrem neuen Konfirmationskleid auf dem Bett und weint. Ihre geschminkten Augen sind ganz schwarz. „Warum nur musste mein Fest ausfallen? Warum muss ich ausgerechnet jetzt mit meinen nervigen Eltern und dem kleinen Bruder eingesperrt sein.“

Wut und Traurigkeit. Kennst du das auch? Geht es Dir auch manchmal so wie Tim oder Laura?

Das Pfingstfest erinnert uns an eine ganz alte Geschichte. Damals gab es auch ein paar Leute, die eingesperrt waren in ihrem Haus. Sie hatten sich selber eingesperrt, weil sie Angst hatten. Angst, dass ihnen das selbe passiert, wie ihrem Freund. Der 50 Tage zuvor gestorben war – erstickt, umgebracht. Sein eigener Freund hatte ihn an die Römer verraten mit einem Kuss.

Angst hatten sie. Aber eben auch Wut und Traurigkeit. Sie sehnten sich zurück nach der guten alten Zeit. Als ihr Freund Jesus noch bei ihnen war. Als sie mit ihm zusammen auf der Welle des Erfolgs schwammen. Als ihnen die Herzen zufielen. Da passierten ganz wunderbare Sachen. Ja, für einen Moment dachten sie sogar, Jesus könnte der neue König von Israel werden und sie würden dann in schönen Häusern in der Hauptstadt wohnen. Oder eben immer bei ihm sein – rundum sorglos.

Jetzt waren sie isoliert. Kurz nach Jesus‘ Tod, zu Ostern, da hatten sie noch Hoffnung. Da sahen sie den Auferstandenen – jedenfalls ab und zu. Da war er da – ganz plötzlich – wenn sie ihn brauchten. Aber eines Tages führte er sie auf einen Berg und verschwand vor ihren Augen. Er sagte noch etwas, was sie nicht verstanden von einer Kraft und einem Auftrag. Die Freunde fühlten sich allein gelassen, eingesperrt. Ja, vielleicht auch ein bisschen betrogen. Er hatte ihnen schöne Geschichten erzählt von einer Welt in der Frieden ist – vom Reich Gottes. Wo war dieser Ort?

Plötzlich passierte etwas ganz Sonderbares. Obwohl alle Fenster und Türen geschlossen waren kam es ihnen vor, als ob ein

Wind durch das Haus fegt. Wie ein heißer Wüstensturm – aber ohne den unangenehmen Sand im Auge. Nein, es war eine unsichtbare Kraft, die da plötzlich da war. Dieser Sturm fegte die Wut und die Traurigkeit weg. Ja sogar die Angst war plötzlich wie weggeblasen. Die Freunde fingen an zu singen und zu tanzen, sie gingen hinaus auf die Straße und erzählten wildfremden Menschen von Jesus.

Plötzlich hörten diese Menschen ihnen zu.

Plötzlich entstand eine riesige Gemeinschaft.

Plötzlich wussten sie, was Jesus gemeint

hatte mit der Kraft und dem Auftrag …

 

Tim und Laura, seid ihr noch immer in eurem Zimmer – wütend und traurig? Ich wünsche euch von Herzen, dass es auch bei euch Pfingsten wird. Dass etwas passiert, was eure Traurigkeit und Wut wegfegt. Euch mutig werden lässt. Ja, es wird nicht wieder so wie früher – jedenfalls nicht so lange, bis es einen Impfstoff gibt gegen das Virus. Aber vielleicht bekommen wir die Kraft, verantwortlich miteinander umzugehen. Vielleicht beginnt auch etwas ganz Neues. Ich glaube, Gott will uns dabei helfen.

Friederike Knittel

 


Hier ist der Ort, an dem Ostergeschichten und Oster-Fensterbilder aus unserer Gemeinde zu sehen sein werden!

Diakonin Friederike Knittel hat den Anfang gemacht, den wir gleich an unsere Gemeindeglieder geschickt haben:

 

Bastle ein Oster-Fensterbild!

Hast Du ein farbiges Transparentpapier zu Hause? Hast Du auch etwas Zeit und Lust? Dann bastle doch ein Oster-Fensterbild! Dieses hier stellt den Felsen dar, in den die Grabhöhle für Jesus

hineingeschlagen war. Jesus war darin beerdigt worden, und man hoffte, damit sei man ihn und seine Predigt vom Reich Gottes endgültig los.

 

Aber am Ostermorgen war das Grab offen - und leer! Jesus lebte, Jesus lebt! Und mit ihm die Hoffnung auf Gottes Reich mitten unter uns Menschen.

 

 

(Dieses Bild hängt in dem Dörfchen Zschillichau

bei Bautzen.)